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11 Fakten: Heuschreck in Zeiten des Nationalsozialismus

11 Fakten über den Heuschreck

Heuschreck in Zeiten des Nationalsozialismus

30.12.2025

Die 1930er-Jahre gehören zu den dunkelsten Kapiteln der Heuschreck-Geschichte.
Was mit Spaß, Satire und freiem Wort begonnen hatte, wurde von der nationalsozialistischen Diktatur systematisch unterdrückt.

1933 kam das sogenannte „Winterhilfswerk“-Motto auf die Bühne – eine der ersten Anzeichen, dass die Politik begann, Einfluss zu nehmen.
Schon bald wurde der Karneval im Deutschen Reich gleichgeschaltet:
Humor durfte nur noch im Sinne der Partei stattfinden.
Satire über NS-Funktionäre oder politische Themen war tabu.

Der Heuschreck verlor in dieser Zeit viele seiner prägenden Mitglieder – vor allem jüdische Freunde und Förderer.
Besonders tragisch: Louis Scheuer, Lehrer, Musiker und Autor vieler Heuschreck-Texte, wurde aus dem Verein gedrängt.
Er überlebte die NS-Zeit nur knapp. Heute erinnern Stolpersteine in Trier an ihn.

Auch Vereinsstrukturen wurden zerschlagen:
1938 entstand die „Große Trierer Karnevalsgesellschaft Heuschreck“ – keine freiwillige Fusion, sondern eine erzwungene Maßnahme.
Die Partei wollte Kontrolle über alle karnevalistischen Aktivitäten in der Stadt.

Der langjährige Präsident Hermann Woytt trat zurück; an seine Stelle rückte Philipp Halfen, ein linientreuer NSDAP-Funktionär.
Die Auftritte wurden politisch beeinflusst, die Themen reglementiert.
Sogar der Vereinsruf „Halaudi“ verschwand – ersetzt durch das biedere „Hinein!“

1939 wurde der letzte Rosenmontagszug vor dem Krieg veranstaltet.
Prinz Carneval war damals Adolf Hägin, genannt „Porta von Häginien“ – ein Kaufmann, der in der NS-Zeit wirtschaftlich von der Enteignung jüdischer Betriebe profitierte.
Der Heuschreck – einst Symbol für Freiheit und Satire – war in eine Rolle gedrängt worden, die er nie wollte.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 verstummte der Frohsinn fast vollständig.
Sitzungen wurden verboten, Mitglieder eingezogen, Säle zerstört.
Was blieb, war die Erinnerung – und der ungebrochene Wille, eines Tages wieder zu feiern.

Nach 1945 dauerte es Jahre, bis der Verein wieder Fuß fassen konnte.
Doch eines zeigte diese Zeit ganz deutlich:
Humor mag man unterdrücken können, doch Frohsinn kann man nicht verbieten.

„Lachen ist Freiheit – und Freiheit wird nie ganz verschwinden.“

Text: David Weidert
Fotos/Darstellungen: David Weidert/KI

Quellen: Heuschreck Chronik

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